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Könnte man den Muttertag abschaffen?
Geschrieben von Ruth
Freitag, den 16. April 2010 um 09:51 Uhr

Mir ist schon klar Andreas, dass du bei diesem Thema nicht wirklich mitreden
kannst. Aber es schadet auch nicht wenn du das alles mal aus der Sicht einer
Mutter hörst, die von Mann und Kindern so verwöhnt wurde, dass sie hinterher
fast reif gewesen wäre für eine Mütterkur.

Stell dir das so vor.

Die Kinder, von den Medien, der Kindergartentante, dem Vater und der
Grossmutter(die es eigentlich besser wissen sollte) voll motiviert, wollen
die Mama an diesem ganz besonderen Tag auf`s Beste verwöhnen.

Gut.

Verwöhnen find ich ja grundsätzlich klasse.

Kriegsrat mit Papa, was hat denn die Mama besonders gerne?

1. Ausschlafen

2. Kuchen

3. Mal nicht kochen müssen

4. Wir sagen den ganzen Tag nicht nein

5. Einen riesigen Strauss Blumen (vom Papa)

6. Was Selbstgemachtes (von den Kindern)

Es fängt damit an, dass ich schon 2 Tage vorher meine Küche fast nicht mehr
betreten kann. Überall vom grossen Esstisch angefangen, bis zum Küchentisch
liegen jeden Tag massenweise Papierschnipsel, Leimtuben und sonstiges
Bastelmaterial herum. Abends erschöpft vom Job räume ich den ganzen Berg bei
Seite, kratze die Kleberreste von dem schönen Kirschbaumtisch, werfe die
ruinierten Küchentücher, bei denen sich nicht mal mehr das Waschen lohnt
weg, putze den Küchenboden, damit man nicht fest klebt und koche schnell
noch was zu Essen.

Endlich der grosse Tag.

Schon morgens um 6.00 Uhr wache ich auf, weil ich verdächtige Geräusche aus
der Küche höre. Keine guten! Es klirrt und scheppert , einige Leute streiten
sich da lautstark und zwischendurch macht immer jemand :pssssttt!!!!! Seid
doch leise sonst wacht die Mama auf.

Ich schaue auf meinen Wecker und weiss ganz genau, dass ich jetzt auf gar
keinen Fall aufstehen kann, sonst wäre ja die ganze Überraschung dahin. Also
wälze ich mich für weitere 2 Stunden in meinem Bett hin und her, bis ich es
wirklich nicht mehr aushalte und ich stehe auf und geh ins Bad.

Dann schleiche ich mich zurück ins Schlafzimmer und dann kommt der grosse
Augenblick.

Das Frühstück wird mir ans Bett serviert, ich werde mit Blumen und
gebastelten Geschenken überhäuft, ich komme kaum zum Frühstücken, weil ich
so viele Küsse erwidern muss und ich bewundere all die selbstgebastelten
Karten in denen so viel Liebe steckt.

Was für eine Anstrengung für meine Lieben. Vor allem das nicht nein sagen
war so schwer!

Wie nur hab ich DAS! verdient?

Am Montag Abend, nachdem ich die Reste des Verwöhntages endlich beseitigt
hatte sank ich erschöpft in mein Bett.

Selten war ich so kaputt, aber auch selten sooo glücklich.

 
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen
Geschrieben von Ruth
Sonntag, den 11. April 2010 um 13:54 Uhr

Weisst du Andreas, dass es in der Erziehung, genau wie beim Abnehmen auch
einen jojo-Effekt gibt? Doch, glaub`s mir ruhig.

Heute, wo unser Haus nur noch sporadisch zum Bersten voll ist und wir
grösstenteils aus kleinen Töpfen essen, hab ich auch Zeit über so manches im
Rückblich nach zu denken.

Jahrelang war ich streckenweise recht verzweifelt, weil meine Kinder sich
standhaft geweigert haben, erstens alles zu essen was auf den Tisch kommt
und zweitens überhaupt kein Interesse gezeigt haben am Kochen oder Backen
oder überhaupt am Haushalt an sich.

Zwar hab ich beharrlich genaus so weiter gekocht wie ich es für gut befunden
habe, nur kam es eben vor(und das nicht selten), dass der eine nur
Kartoffeln, einer nur Salat und einer kein Fleisch essen wollte.

JAHRELANG!!!!!

Immer dieses Genörgle am Tisch. Manchmal war ich versucht, nur noch
Spaghetti, Pizza oder Pommes aufzutischen, nur damit Ruhe herrscht. Wozu
macht man sich denn die ganze Arbeit, wenn keiner es zu schätzen weiss?

Gott sei Dank hab ich´s nicht gemacht.

Heute, wo alle einen eigenen Haushalt haben und selber für sich und sogar
schon für die eigenen Kinder kochen müssen, setzt endlich die Spätwirkung
ein.

Plötzlich erhalte ich Anrufe, Mama, wie geht Pastitio, oder wie macht man
einen Braten, wie machst du den Spätzleteig u.s.w.

Das Andreas ist soooo toll!!!

Es war also doch nicht alles umsonst, wenn´s auch recht lange gedauert hat.

Aber das macht ja nichts, es zählt schliesslich das Ergebnis. Und dass sich
heute alle mindestens einmal am Tag um ihren eigenen Tisch versammeln, ein
selber gekochtes Essen zu sich nehmen , sich heute erinnern wie das war,
wenn am Abend alle zusammen beim Abendessen sassen, wo alles Wichtige
besprochen wurde, das ist der JOJO!

Erst hat man nichts und dann doch doppelt so viel.

Nebenbei bemerkt Andreas, das bezieht sich nicht nur auf´s Essen.

Auch auf anderen Gebieten sehe ich nun Silberstreifen am Horizont.

Oder hast du noch nie gesagt: wenn du heute dein Zimmer nicht aufräumst,
dann mache ich das Fenster auf und werfe alles raus?

Also, nicht aufgeben!


Eichhörnchen

Dank für das Foto an Cathrin - Hier geht es zu Cathrins Internetseiten

 
Wie komme ich aus dieser Nummer raus?
Geschrieben von Ruth
Donnerstag, den 08. April 2010 um 07:11 Uhr

Ist dir das schon mal passiert, Andreas, dass du eingeladen bist zum Essen und dann kommt was auf deinen Teller, was du um alles in der Welt nicht essen kannst?

Damit meine ich nicht bestimmte Sachen, die man nicht mag, das kann man ja sagen, z.B. ich esse keinen Fisch oder ich mag keine Bohnen oder sowas in der Art. Das ist ja nicht so schlimm.

Nein, ich meine wenn es einfach grauenhaft schmeckt.

Du hast den Teller voll, du nimmst die erste Gabel und weisst ganz genau, dass du das auf keinen Fall runter schlucken kannst und schon gar nicht solange, bis der Teller leer ist.

Wie kommt man aus so einer Nummer raus?

Nase zuhalten geht nicht, sieht ja blöd aus, dann könnte man`s ja gleich sagen. Literweise Wasser trinken, zu jedem Bissen ein Glas, geht auch nur begrenzt.

Und das Schlimmste ist, dass man damit dem Gastgeber zu verstehen gibt, dass er es nicht gut gemacht hat.

Was also tun?

Hier die Ratschläge vom Besten aller Ehemänner:

Du kriegst einen Kreislaufkollaps, alle springen auf um dir zu helfen und dabei fällt dein Teller vom Tisch herunter, das Essen landet auf dem Boden, der Hund der Gastgeber springt herbei, schnuppert daran, wendet sich angewidert ab und geht zu seinem eigenen Napf.
Nimm den Salzstreuer, schraube ihn unauffällig ein wenig auf und würze das Essen nach und dabei ergiesst sich das ganze Salz aus dem Streuer auf dein Essen.

Sei ungeschickt und stosse dein Wasserglas so um, dass dein Essen baden geht, oder tu so als hättest du auf was Hartes gebissen und nun hast du unerträgliche Zahnscherzen und du kannst leider von dem feinen Essen nichts mehr zu dir nehmen.

Gerade merke ich, dass ich mir überlege, wann zum letzten Mal jemand bei mir eingeladen war, dem eines dieser „ Missgeschicke“ passiert ist.

Du wart es jedenfalls nicht, Andreas!

 
Re: Die Kraft der Einbildung?!
Geschrieben von Andreas
Montag, den 05. April 2010 um 12:58 Uhr


Lecker sieht es wirklich aus, liebe Ruth, und schmecken tut es (mir) auch.

Sepia Spaghetti

Vielleicht ist es mehr die Vorstellung von Tintenfischtinte, die manchen Essern Probleme macht.
Ich kann allen nur empfehlen, es zumindest einmal zu probieren.


 
Die Kraft der Einbildung?!
Geschrieben von Ruth
Montag, den 05. April 2010 um 12:15 Uhr

Also Andreas, die schwarzen Eier sind alle aufgegessen.

Gott sei Dank hat niemand daran Anstoss genommen.

Im Gegenteil, ich weiss nicht ob es das Ungewöhnliche war, oder die
Farbähnlichkeit mit Schokolandeneiern, jedenfalls sind alle weg.

Ich hab nicht mal mehr welche um Eiersalat zu machen am Ostermontagabend.

Vielleicht habe ich einfach überreagiert, denn mit schwarzen Lebensmitteln
hab ich so meine Probleme.

Da ich ja immer alles Mögliche ausprobiere, wollte ich auch einmal
Sepianudeln machen.

Sieht doch klasse aus, schwarze Nudeln auf einem weissen Teller mit
pochiertem rosa Lachs an Weissweinsauce und Blattspinat. Was für ein
Farberlebnis.

Ich konnte es vor meinem geistigen Auge richtig vor mir sehen, wie toll das
wäre.

Keiner aus der Familie konnte meine Begeisterung teilen. Jedenfalls kaufte
ich die Nudeln, lange schwarze Spaghetti. Es brauchte sehr viel
Überredungskunst um die Familie dazu zu bewegen sich auf das Experiment ein
zu lassen.

Schliesslich ist das doch Einbildung, wenn man meint etwas nicht essen zu
können, bloss weil die Farbe anders ist als gewöhnlich. Ich sagte, macht
doch einfach die Augen zu und probiert dann. Wenn es nicht schmeckt, muss
es keiner essen.

Und wie ich da so sitze, mit geschlossenen Augen und die erste Nudel in
meinen Mund schieben will, blinzle ich doch ein kleines bisschen auf meinen
Teller und sehe wie sich die schwarze Nudel um meine Gabel schlängelt wie
ein fetter Wurm…..

Der Lachs war echt lecker und der Spinat auch.

 
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