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Geschrieben von Andreas
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Samstag, den 27. März 2010 um 11:01 Uhr |
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Sachsen ist zwar nicht Thüringen, Ruth, aber ich lass es Dir mal durchgehen. Baden ist weit weg, da ist das ja alles im Osten irgendwie, sind eben die neuen Bundesländer.
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Geschrieben von Ruth
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Freitag, den 26. März 2010 um 20:26 Uhr |
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Diese Frage Andreas, kann ich dir ganz einfach beantworten. Wir hatten mal
einen Meztgergesellen in den 50iger Jahren, der kam aus Sachsen und von ihm
stammt das Rezept. Mein Vater hat es ein bisschen modifiziert, für den
hiesigen Geschmack.
In der Meztgerei war das der Renner. Ich kann mich noch genau an die Wurst
erinnern. Sie wurde sogar von Leuten gekauft, die sonst keine Wurst mit Blut
o.ä. gegessen haben.
Zufrieden?
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Geschrieben von Andreas
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Freitag, den 26. März 2010 um 15:13 Uhr |
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Du bist doch weit weg von Thüringen groß geworden, liebe Ruth, oder täusche ich mich da? Wieso dann Thüringer Zungenwurst? Sollte die nicht aus Thüringen stammen, so wie der Schwarzwaldschinken aus unserer Gegend?
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Die Zunge hängt mir zum Hals heraus |
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Geschrieben von Ruth
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Mittwoch, den 24. März 2010 um 17:33 Uhr |
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Wie du ja weisst Andreas, komme ich aus einer Familie, in der es jede Menge
Metzger, Köche und Gastronomen gibt. Das prägt. Wahrscheinlich koche ich
deshalb so gerne, aber das steht auf einem anderen Blatt, davon wollte ich
dir heute nicht erzählen, darüber ein andermal.
Jedenfalls hatten meine Eltern natürlich früher auch eine Metzgerei und
meine Mutter, heute 90 Jahre alt, erzählt mir oft Geschichten von damals aus
der Meztgerei. So auch diese Geschichte.
Jeden Montag war Schlachttag. Die Viehtransporter holten die Tiere am
Donnertag oder Freitag bei den verschiedenen Bauernhöfen ab, die mein Vater
höchstpersönlich begutachtet und eingekauft hatte. Nicht wie heute, wo die
armen Viecher durch halb Europa reisen müssen, bis sie endlich an ihrem
Bestimmungsort landen.
Sie wurden in den Schlachthof gebracht und jeden Sonntagmorgen ging mein
Vater hin um sich davon zu überzeugen, dass sie genügend Futter und Wasser
haben und sie gut behandelt wurden. Am Montag dann wurde geschlachtet.
Das Fleisch kam zu uns in die Metzgerei und noch heute sehe ich die
Metzgergesellen die Rinder-und Schweineviertel in die Wurstküche tragen, wo
dann die eigens dafür angestellten Kopfschlächter alles fachgerecht
zerlegten und die Knochen sauber ausbeinten.
Dann ging es ans Wurstmachen. Unter Anderem wurden auch die Zungen gepökelt
und für den Verkauf zurecht gemacht.
Ich liebte Zunge und am Besten schmeckten mir die Zungenspitzchen. Nur bekam
ich davon nie so viel wie ich gerne gehabt hätte. Ich war damals etwa 6
Jahre alt und wenn ich etwas wollte, dann war ich auch fest entschlossen es
mir zu verschaffen.
Also versteckte ich mich unter dem grossen Tisch in der Wurstküche und
wartete bis alle Metzgerburschen zum Mittagessen gingen. Dann nahm ich das
grosse Messer, schnitt von allen vorgerichteten, gekochten Zungen die
Spitzen ab uns ass sie auf.
Danach machte ich mich aus dem Staub.
Nach der Mittagspause kamen alle zurück in die Wurstküche und niemand konnte
sich erklären, wer und warum jemand so was Blödes machen konnte wie alle
Zungenspitzen ab zu schneiden, denn so verschandelte Zungen konnten nicht
mehr in den Verkauf kommen. So weit ich aus Erzählungen meiner Mutter weiss,
wurde jede Menge Thüringer Zungenwurst daraus zubereitet und als
Sonderangebot in der folgenden Woche verkauft.
Nie hat jemand heraus gefunden wer das war und nur meine Mutter konnte sich
einen Reim darauf machen, weil ich danach jahrelang keine Zunge mehr
angerührt habe. Ich war einfach total überfressen.
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Geschrieben von Ruth
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Dienstag, den 23. März 2010 um 06:28 Uhr |
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Weisst du Andreas, ich merke zu meinem Entsetzen, dass ich Tendenzen zeige
überheblich zu werden. Vor Urzeiten, hab ich mich furchtbar darüber
aufgeregt, dass die Älteren immer Ratschläge gaben und immer so belehrend
waren. Wenn man aber jung ist, dann weiss man halt immer alles besser und
Erfahrungen müssen gemacht werden, auch Schlechte.
Schliesslich lernt man ja aus solchen am Meisten.
Warum mir das auf einmal einfällt?
Ich habe ja so abfällig über diese Fertigkuchenmischungen geschrieben und
war so eingebildet zu behaupten, dass es das ja gar nicht braucht.
Nur
. Da fiel mir so eine kleine Geschichte ein aus meiner Jugend (die ich
erfolgreich für viele Jahre aus meinem Gedächtnis gestrichen hatte), als ich
so eine Fertigmischung durchaus hätte gebrauchen können, nur gab`s die
damals so noch gar nicht.
Meine Mutter und ich haben am gleichen Tag Geburtstag und ich wollte ihr als
Überraschung einen Geburtstagskuchen backen. Ich war 14 und hatte keine
Ahnung vom Backen. Meine Grossmutter wollte mir helfen und erklären wie`s
geht, aber ich hab ihr mit unglaublicher Einbildung mitgeteilt, dass sie
sich ihre Ratschläge sparen könne, ich sei schliesslich des Lesens mächtig
und ich hätte ja das Rezept.
Ein tolles Bild in dem Buch, Spanische Orangen-Mandeltorte.
Also hab ich alles genau so gemacht, wie es da stand. Ich weiss das Rezept
noch ganz genau. Es war ein Kuchen, ähnlich wie die Aargauer Rüeblitorte,
mit vielen Eiern, wenig Mehl und jeder Menge Mandeln.
Im Rezept stand 500g Mandeln.
Der Kuchen war in der Form, der Backofen vorgeheizt jetzt konnte nichts mehr
schief gehen.
Ich sass vor dem Backofenfester wie vor dem Fernseher und habe gewartet,
dass die Torte in die Höhe geht.
Aber das tat sie nicht. Sie wurde nur immer brauner, dann schwärzer, bis
auch ich wusste, jetzt ist es höchst Zeit sie raus zu nehmen. Keine Spur von
der hohen schönen goldgelben Torte auf dem Bild im Kochbuch. Es sah eher aus
wie ein verkokelter Florentiner.
Ich war sauer, enttäuscht und ratlos. Schliesslich fragte ich meine
Grossmutter, was denn da passiert sei und sie sagte, ich sei ja des Lesens
mächtig und ich sollte doch einfach noch mal das Rezept genau durch lesen.
Das tat ich und da stand 500g gem. (gemahlene) Mandeln. Meine, die ich rein
gekippt hatte, waren aber ganz!
Ich nehme also einen guten Teil von dem zurück, was ich über die
Kuchenmischungen geschrieben habe. Manchmal erfüllen sie durchaus ihren
Zweck.
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